Wenn sich ein Mann leidenschaftlich über seinen schweißgetränkten Arm leckt, befindet man sich normalerweise in einem Stripclub … hab‘ ich gehört, gelesen, hat mir jemand erzählt. Obwohl – am Strand kann einem das auch passieren. Auf diese Weise lässt sich ganz prima der Sand entfernen, der sich liebevoll an den mit Sonnencreme getränkten Arm geschmiegt hat. Und das knistert so schön zwischen den Zähnen!
Ja, aber ansonsten (achtung, jetzt komme ich zurück zum Thema) sieht man in der freien Wildbahn selten Männer, die sich querfeldein genüsslich über ihren Arm lecken. Gut (so, jetzt komme ich wieder vom Thema ab): Rüden tun das auch. Allerdings sind die „Arme“ dort Beine und durchaus mehr behaart als bei einem ausgewachsenen Männchen – meistens zumindest.
Nun aber wirklich zurück zum Thema, sonst verliere ich mich noch im Artikulationsdschungel behaarter Arme. Ich bin leibhaftiger Zeuge gewesen, wie ein erwachsener Mann seine Zunge über seinen Arm wandern ließ. Und alle konnten es sehen. Denn es war der Leadsänger einer Band. Und jetzt kommt etwas ganz erstaunliches (und beängstigendes): Normalerweise würde ich jeden, der so etwas macht, für bescheuert erklären. Aber bei diesem Mann – der noch nicht mal aufdringlich attraktiv war – wirkte es nicht nur wie das Natürlichste auf der Welt, nein: Es törnte mich sogar etwas an … zumindest ein kleines bisschen. Der Leadsänger dieser Band eskalierte in seiner ganz eigenen, exzentrisch-leidenschaftlichen, aber nicht aufgesetzten, Art auf der Bühne. Ich wurde total von dieser Persönlichkeit eingenommen. Und es machte zumindest den Eindruck, als würde es dem restlichen Publikum auch so ergehen.
Jetzt ist man geneigt zu glauben, dass dort eine ganze Band voller Haudegen die Bühne zerlegt, entweiht und geschändet hat – ähnlich, wie es die Bloodhound Gang immer zelebriert. Aber nein. Es bot sich ein faszinierendes Bild: So sehr auch der Sänger hemmungslos damit beschäftigt war, seine Katzenwäsche zu vollziehen, so in sich gekehrt war der Bassist. Dieser wiederum vermittelte den Eindruck, als würde er in der nächsten Sekunde vom Fleck weg umkippen. Regungs- und scheinbar emotionslos (aber sehr gut) erfüllte er den Raum mit lebendigem Klang. Es gab Momente, da dachte ich: Der lebt nicht mehr, der ist nur noch zu faul um umzufallen! Als er dann fast zum Schluss plötzlich verschmitzt grinste und sich bewegte, habe ich mich regelrecht erschrocken: ES LEBT!
Ja, der Grand Canyon ist nicht tief genug um den Unterschied beider Persönlichkeiten bildlich zu beschreiben. Im Übrigen war dort auch noch ein Keyborder. Ich wollte ihn wenigstens erwähnt haben.
Aber wo … ja, wo nur bekommt man so eine Show geboten? Männer, die sich mit Hilfe der Zunge ihres Schweißes entledigen, Bassisten, die regungslos den Raum erfüllen und Fans, welche sich vollkommen in Tanztrance ihrer eigenen Kleidungsstücke entledigen. Ganz einfach: Bei einem Konzert von „Future Islands“.
Als ich das erste Mal deren Musik „vom Band“ hörte, war ich grundlegend mal gar nicht begeistert. Aber ich dachte sofort, dass dies live unheimlich interessant werden könnte. Und ich behielt Recht: Ein genial ungeahnter Abend im Haus 73 in der Schanze war die Belohnung meines Wagemuts. Erdbeere und Pfeffer passen eben doch zusammen!
Also, packt eure Sachen zusammen und eure Zweifel beiseite: Das nächste Future Islands Konzert ist eures!
Eure Monika

